Die neuen Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sind da. Deutschlands Schülerinnen und Schüler erreichen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so niedrige Kompetenzwerte wie noch nie seit Beginn der PISA-Erhebungen. Doch statt darüber zu diskutieren, wer daran schuld ist, sollten wir eine andere Frage stellen: Was brauchen Kinder und Jugendliche, damit sie verstehen, lernen und ihre Zukunft selbst gestalten können?

Was ist die PISA-Studie eigentlich?

PISA steht für Programme for International Student Assessment und wird von der OECD koordiniert.

Untersucht wird, welche Kenntnisse und Kompetenzen 15-jährige Schülerinnen und Schüler besitzen und – das finde ich besonders wichtig – wie gut sie dieses Wissen auf reale Problemstellungen anwenden können.

Bei PISA 2025 nahmen rund 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. Damit war es die bislang größte PISA-Erhebung. Der Schwerpunkt lag dieses Mal auf den Naturwissenschaften. Zusätzlich wurden unter anderem Mathematik, Lesekompetenz und computergestütztes Problemlösen untersucht.

Und die Ergebnisse sollten uns beschäftigen.

Deutschland erreicht einen neuen Tiefstand

Deutschland erreichte bei PISA 2025:

  • 486 Punkte in Naturwissenschaften
  • 465 Punkte im Lesen
  • 464 Punkte in Mathematik

Damit liegt Deutschland in allen drei Bereichen nur noch im Bereich des OECD-Durchschnitts. Gleichzeitig sind es in Deutschland die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen. Auch der Blick auf die Entwicklung ist interessant.

Gegenüber PISA 2022 sank Deutschlands Ergebnis um 7 Punkte in Naturwissenschaften, 15 Punkte im Lesen und 11 Punkte in Mathematik.

Noch wichtiger als einzelne Punktwerte finde ich jedoch eine andere Zahl:

Rund ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland verfügt laut den aktuellen Ergebnissen in keinem der drei untersuchten Kernbereiche über ausreichende Basiskompetenzen. Betrachtet man die Bereiche einzeln, erreicht ungefähr ein Drittel in Mathematik und Lesen nicht das grundlegende Kompetenzniveau. Und genau an diesem Punkt sollten wir meiner Meinung nach aufhören, ausschließlich über Rankings zu sprechen. Denn hinter jeder Statistik sitzen Kinder und Jugendliche.

Bildung ist mehr als eine gute Note

Wenn wir über Bildung sprechen, denken wir schnell an Schule. An Klassenarbeiten. Zeugnisse. Noten. Abschlüsse.

Für mich bedeutet Bildung aber sehr viel mehr.

Bildung bedeutet, Zusammenhänge verstehen zu können. Fragen stellen zu können. Informationen beurteilen zu können. Probleme zu erkennen und nach Lösungen zu suchen und vor allem bedeutet Bildung für mich: selbstständig denken zu können. Wir leben in einer Welt, in der künstliche Intelligenz innerhalb von Sekunden Texte schreibt, mathematische Aufgaben löst, Bilder erzeugt und Programmcode generiert. Gerade deshalb wird Bildung nicht unwichtiger. Sie wird wichtiger. Denn wenn mir eine KI eine Antwort liefert, muss ich beurteilen können, ob diese Antwort überhaupt plausibel ist. Wenn mir ein Algorithmus eine Information präsentiert, muss ich sie einordnen können und wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen, brauchen Menschen Fähigkeiten, die über das reine Auswendiglernen hinausgehen: logisches Denken, Problemlösen, Kreativität, Neugier und die Fähigkeit, Neues zu lernen.

Warum mir gerade Mathematik so wichtig ist

Ich bin Informatikerin und programmiere selbst. Vielleicht könnte man deshalb erwarten, dass ich Kindern möglichst früh möglichst viel Programmieren beibringen möchte. Ja – aber nicht nur. Mir ist etwas anderes mindestens genauso wichtig: Mathematik verstehen. Denn Mathematik besteht nicht nur aus Formeln. Mathematik trainiert uns darin, ein Problem anzusehen, es in kleinere Teile zu zerlegen, Muster zu erkennen, verschiedene Lösungswege auszuprobieren und zu überprüfen, ob ein Ergebnis sinnvoll sein kann. Genau diese Denkweise begegnet mir auch beim Programmieren jeden Tag. Wenn ein Programm nicht funktioniert, hilft es mir nicht, eine Lösung auswendig gelernt zu haben.

Ich muss verstehen:

  • Was möchte ich erreichen?

Was weiß ich bereits?

  • Wo liegt das Problem?

Welche einzelnen Schritte brauche ich?

Was passiert, wenn ich etwas verändere?

Und warum funktioniert meine Lösung – oder eben nicht?

Das ist für mich eine der großen Stärken mathematischer Bildung.

„Ich kann kein Mathe.“

Diesen Satz hören Kinder erstaunlich früh.

Und irgendwann wird aus einem schwierigen Thema eine Überzeugung:

„Mathe kann ich einfach nicht.“

Genau das halte ich für problematisch. Nicht jedes Kind muss Mathematik lieben. Nicht jedes Kind muss später Informatikerin, Ingenieur oder Naturwissenschaftlerin werden. Aber jedes Kind sollte die Chance bekommen, Mathematik zu verstehen, bevor es entscheidet, dass es Mathematik nicht kann. Manchmal braucht es dafür eine andere Erklärung.

Ein Beispiel.
Ein Bild.
Ein Spiel.
Einen anderen Lösungsweg.

Oder einfach jemanden, der sich noch einmal daneben setzt und sagt: Wir probieren es anders. Lernen darf anstrengend sein. Lernen darf herausfordern. Aber Lernen sollte nicht dauerhaft das Gefühl vermitteln: „Mit mir stimmt etwas nicht, weil ich das nicht verstehe.“

PISA sollte kein Grund sein, Kinder schlechtzureden

Wenn PISA-Ergebnisse veröffentlicht werden, entstehen schnell Schlagzeilen darüber, wie schlecht Schülerinnen und Schüler geworden seien. Ich halte das für den falschen Fokus. Kinder wachsen in dem Bildungssystem auf, das wir Erwachsenen für sie geschaffen haben.

Deshalb sollten wir nicht zuerst fragen:

  • „Warum können unsere Kinder das nicht?“

Sondern:

  • „Was müssen wir verändern, damit mehr Kinder es lernen können?“

Die PISA-Ergebnisse zeigen zudem, dass Bildungschancen in Deutschland weiterhin stark mit der sozialen Herkunft zusammenhängen. Auch das gehört zur Diskussion über Leistung dazu. Denn Bildung darf nicht davon abhängen, ob Eltern Zeit haben, nachmittags Mathematik zu erklären. Ob sie selbst die Aufgabe verstehen. Ob sie Nachhilfe bezahlen können. Oder ob ein Kind zufällig jemanden trifft, der einen komplizierten Sachverhalt so erklärt, dass plötzlich der berühmte Knoten platzt.

Wir brauchen nicht weniger Lernen. Wir brauchen besseres Lernen.

Ich glaube deshalb nicht, dass die Antwort darin besteht, Anforderungen einfach immer weiter zu reduzieren. Aber genauso wenig glaube ich, dass mehr Druck automatisch zu mehr Bildung führt. Wir sollten stärker darüber sprechen, wie Lernen funktioniert.

Wie schaffen wir Verständnis statt kurzfristigem Auswendiglernen?

Wie wecken wir Neugier?

Wie erklären wir abstrakte Inhalte so, dass Kinder einen Bezug zu ihrer eigenen Welt herstellen können?

Wie können Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften nicht als Ansammlung von Aufgaben erlebt werden, die man irgendwie für die nächste Klassenarbeit überstehen muss, sondern als Werkzeuge, mit denen man die Welt verstehen kann?

Und wie schaffen wir es, dass ein Kind nach einem Fehler nicht denkt:

  • „Ich bin schlecht darin.“

Sondern:

  • „Okay. Dann muss ich herausfinden, warum das nicht funktioniert hat.“

Genau diese Haltung brauchen wir meiner Meinung nach in einer Welt, die sich technologisch immer schneller verändert.

Bildung entscheidet darüber, wer Zukunft mitgestalten kann

Wir reden viel über Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und die Arbeitswelt der Zukunft. Aber all diese Diskussionen beginnen viel früher. Sie beginnen beim Lernen. Ein Kind, das gelernt hat, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu erkennen und Probleme Schritt für Schritt zu lösen, besitzt etwas, das ihm weit über die Schulzeit hinaus hilft. Deshalb möchte ich mit der Claudia Grimm Academy genau dort ansetzen. Nicht bei der nächsten Schlagzeile darüber, wie schlecht unsere Kinder angeblich geworden sind.

Sondern bei der Frage:

  • Wie können wir ihnen helfen, Dinge wirklich zu verstehen?

Mathematik gehört für mich genauso dazu wie Informatik, Naturwissenschaften und digitale Bildung. Nicht jedes Kind muss programmieren lernen. Nicht jedes Kind muss Mathematik lieben. Aber jedes Kind sollte die Möglichkeit bekommen, herauszufinden, was in ihm steckt.

Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Aufgaben von Bildung überhaupt:

  • Nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern jungen Menschen zu zeigen, dass sie lernen, verstehen und ihre Zukunft selbst gestalten können.
Quellen und weiterführende Informationen

OECD: PISA 2025 Results – Germany Country Note, veröffentlicht am 8. September 2026.

OECD: PISA 2025 Results (Volume I): Student Performance, veröffentlicht 2026.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern, 8. September 2026.

DIPF / Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation: Durchschnittliche Kompetenzen im internationalen Vergleich: PISA-Ergebnisse auf neuem Tiefstand, 8. September 2026.

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