Vorstellung

Mein Name ist Claudia, 42 Jahre alt oder jung, je nach Befindlichkeit am frühen Morgen vor dem ersten Kaffee. Ursprünglich komme ich aus Rumänien und wohne nun seit mehr als 15 Jahre in der Nähe von Freiburg im Breisgau.

Wann erhieltest du die Diagnose MS? Was war der Anlass dafür und hattest du bereits vorher Symptome, die rückblickend mit der MS zu tun hatten?

2011 erhielt ich die Diagnose Multiple Sklerose, seitdem läuft einiges gleich wie vorher und einiges eben halt anders. 2009 erlebte ich den ersten Schub doch wurde ich in die psychiatrische Ambulanz überwiesen und erst 2011 bei meinem 2. schweren Schub mit Multiple Sklerose diagnostiziert.

Hattest du bereits vorher Symptome, die rückblickend mit der MS zu tun hatten?

Ab 2005 litt ich an sehr starken Kopfschmerzen (keine Migräne) ab da wusste ich, dass etwas nicht stimmte.

Wie hast du die Diagnose aufgefasst und wie war es für deine Liebsten?

Aufgefasst habe ich sie so: „Sagen Sie mir, ob die Krankheit tödlich ist, wenn sie das nicht ist, dann alles klar werde ich irgendwie wuppen!“. Naja meine Mutter verkraftet es bis heute nicht, was mir die „Arbeit“ mit der MS im Alltag nicht wirklich erleichtert.

Wurden dir zu Beginn verlaufsmodifizierende Therapien empfohlen und wie hast du dich entschieden?

Am Anfang direkt nach der Diagnose nahm ich Betaferon für ein halbes Jahr doch leider gar nicht vertragen und sofort abgesetzt.

Nutzt du symptomatische Therapieangebote? Wenn ja, welche?

Ich nehme nur Ibuprofen, da ich an starke Schmerzen leide.

Wie hast du nach der Diagnose deinen Lebensstil angepasst?

Eigentlich lebe ich wie vorher, da ich an Allergien leide esse ich wie vorher, Sport gibt es bei mir nur in Form von langen Spaziergängen und Yoga, sonst bin ich vom Charakter her genauso wie vorher: Sarkastisch, Witzig, Optimistisch und natürlich immer weitermachend.

Wie blickst du auf deine Zukunft und haben sich deine beruflichen und privaten Pläne verändert?

Positiv. Ob ich allein, verheiratet oder was auch immer bin, auch beruflich bin ich guter Dinge und freue mich auf alles, was kommt.

Was war dein tiefster Punkt mit der MS und wie hast du dich wieder rausgekämpft?

Oh, mein tiefster Punkt war als ich auf der linken Körperhälfte gelähmt war und ich das Ganze noch nicht einordnen konnte. Es war belastend, da ich mich sehr hilflos gefühlt habe. Doch mit der Zeit lernte ich damit umzugehen. Ich habe Glück, dass ich schon früh im Leben gelernt habe auf meinen Körper zu hören, deshalb sind solche Phasen nie von langer Dauer.

Wie geht es dir aktuell mit der MS?

In letzter Zeit hatte ich wenig Bewegung, da ich viel zu tun habe und das merke ich in meinem Körper. Mein Körper steht schon in den Startlöchern bewegt zu werden. Sonst ist es mit der MS ok.

Wie bist du zur IT-Branche gekommen und welche Erfahrungen hast du gemacht, die dich dazu motiviert haben, mehr Mädchen in diesen Bereich zu ermutigen?

2002 musste ich mich für eine weiterführende Ausbildung (in meinem Fall war das eben ein Studium) entscheiden sonst wäre ich wieder nach Rumänien abgeschoben worden. Also zur IT kam ich eher ungewollt und auf unkonventionellem Weg. Damals waren Frauen in der Informatik nicht stark vertreten. So fing ich mein Studium mit 49 Jungs an und ich war das einzige Mädchen. Da ich den digitalen Wandel mitgemacht habe und bemerkte, dass sich in der IT frauentechnisch nicht viel veränderte, entschied ich mich, mich dafür einzusetzen, dass Mädchen die Scheu vor der ganzen Technologiewelt verlieren.

Welche Hindernisse oder Stereotypen siehst du, die Mädchen davon abhalten, sich für IT-Berufe zu interessieren, und wie gehst du damit um?

Uns Frauen wird immer noch nicht viel zugetraut, obwohl ich froh bin, dass jüngere Generationen da doch anders denken. Deshalb bin ich auch guter Hoffnung, dass sich da auch einiges verändern wird.

Wie wichtig ist es, eine unterstützende Gemeinschaft für Mädchen und Frauen zu schaffen, die ihre Leidenschaft für IT und Technologie entdecken möchten? Und welche konkreten Schritte hältst du für nötig, um einen Wandel herbeizuführen?

Eine unterstützende Gemeinschaft ist sehr wichtig, den jungen Mädchen brauchen Role Models, zu denen sie aufblicken können und sich sagen „Das möchte ich und das schaffe ich auch!“ Frauen, die schon in der IT sind und immer noch begeistert sind, sollten mehr nach außen treten und den Mädchen zeigen, dass die Meinung der Jungs nicht so wichtig ist, wenn man ein Ziel hat.

Welche Rolle spielen Bildungseinrichtungen und Unternehmen dabei, die Beteiligung von Mädchen und Frauen in der IT-Branche zu fördern?

Wichtig ist, dass man als Unternehmen, als Bildungseinrichtung mit fundiertem Wissen voran geht und genau zeigt, wie es funktioniert. Die Informatikwelt ist so breitgefächert, da hilft es nicht einfach nur mal den Mädchen etwas zeigen, damit man etwas gezeigt hat, sondern wirklich wissenschaftlich fundiert erklären kann wie es funktioniert.

Was war deine Motivation für das Magazin „Queens“ und welche Themen findet man darin?

Nicht nur meine Geschichte ist wichtig und wie ich es geschafft habe, sondern eine Vielfalt ein Mutmachgeschichten, die den Mädchen zeigt – wir sind nicht alleine – und haben jemand gefunden mit der ich mich identifizieren kann.

Welche inspirierenden Geschichten und Botschaften von Frauen, die ihren Weg gegangen sind, möchtest du teilen, um anderen Mut zu machen?

Wir Frauen kämpfen so oder so, um uns zu behaupten, obwohl das eher „Schwachsinn“ ist, denn jede*r von uns ist einzigartig und keine zwei Personen gleich. Doch der Werdegang ist unterschiedlich und auch der berufliche Weg wie auch der private ist nicht immer einfach oder geradlinig.

Wofür steht die Claudia Grimm Academy und was möchtest du damit erreichen?

Die Academy steht für Mut machen und eine Art Wissensdatenbank. Ich gebe mein Wissen weiter, da ich nach knapp 20 Jahren weiß es geht besser und einfacher. So gebe ich auf Anfrage Programmierkurse und erkläre den Menschen, warum die IT eine so wichtige Rolle spielt vor allem es zu verstehen.

An wen richten sie die Angebote und welche gibt es konkret?

An alle (ob jung oder alt) Menschen die daran interessiert sind tiefer in die Materie einzutauchen. Es gibt zurzeit viele Überlegungen Deutschlandweit, dass Menschen gerne umschulen möchten und dass in die IT, da es doch relativ zukunftsorientiert ist.

Hast du einen großen unerfüllten Wunsch?

Ja, mein Leben aufzuschreiben. Ich habe so viele Stationen im Leben durchgemacht, es reicht für 5 Leben und das würde ich gerne auf Papier bringen.

Welche Entwicklung in der Forschung oder Behandlung wünschst du dir im Bereich MS in den kommenden 5 Jahren?

Ich bin mir sicher, dass die MS mal heilbar sein wird, doch ob uns das auch bis in 5 Jahren zugänglich gemacht wird, JA ich hoffe.

Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

Alles, was sich in der Machbarkeit leicht und fluffig anfühlt dann Go, alles, was mühsam ist soll ich ziehen lassen und ist es doch für mich bestimmt kommt es wieder zu mir zurück.

Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema?

Mit Bill Gates. Wie können wir die Welt so drehen, dass die Technik uns im Alltag unterstützt und nicht noch mehr kaputt macht.

Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose …

…eine Challenge, die ich sehr gerne angenommen habe.“

Abschließend, welche Botschaft möchtest du anderen Frauen und Mädchen mit auf den Weg geben, die ihre Träume in der IT verfolgen möchten?

„Go for IT! Girls“ lasst euch nichts einreden, hört auf euren Herz und wenn es für die Technologiewelt schlägt, dann nicht zögern einfach machen.

  • Das ganze Interview findet ihr auf: https://ms-perspektive.de/214-claudia-grimm/

Danke dir liebe Nele für das tolle Interview und deine Arbeit mit https://ms-perspektive.de/

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