Doch warum eigentlich nicht?

  • Was bedeutet es, wenn man Angst hat?

“Ursachen Angst: Es gibt verschiedene Erklärungsansätze (psychoanalytische, verhaltenstherapeutische und neurobiologische). Angstauslösende Faktoren sind Stress,Traumata, Alkohol- und Drogenkonsum, bestimmte Medikamente, Funktionsstörungen der Schilddrüse, Herzerkrankungen und Hirnerkrankungen.”

Heute möchte ich zum Anlass nehmen, so als weiterer Kapitel in mein Leben, mit dem Jahr 2020 abzuschließen und über ein Thema sprechen was mich seit nun einigen Jahrzehnten begleitet – Die Angst!

Jahrelang hatte ich Hemmungen darüber zu sprechen, es war mir unangenehm das auszusprechen was mich beschäftigt, was mich plagt. Ich habe mich dafür geschämt über meine Ängste zu reden, denn bei uns war es damals eine Schande und man galt als ein schwacher Mensch, wenn man sich gefürchtet hatte.

Doch wenn ich immer wieder gefragt werde, wie ich alles was mir passierte so gut überstehen konnte, gebe ich meistens keine konkrete Antwort, weil alles viel zu lange gehen würde. Nun in diesem Beitrag werde ich versuchen mich kurz zu fassen.

Warum habe ich im Zitat Stress, Traumata und Hirnerkrankungen Fett markiert und unterstrichen?

Traumata, weil ich an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Woher ich das weiß? Durch meine absolvierte Therapie. Ich wurde von meinem Vater geschlagen, missbraucht und in jungen Jahren (mit 12, um genau zu sein) im Flüchtlingslager vergewaltigt.

Richtig, mein Leben in Angst begann relativ früh.

Hirnerkrankung, weil ich seit 2011 an Multiple Sklerose erkrankt bin.

Stress, weil ich seit dem ich ein kleines Mädchen bin (angefangen mit der Revolution in Rumänien) immer auf Achse war!

Kein Tag gleicht dem anderen!

Dieser Stress führte dazu, dass ich mit den Jahren immer feinfühliger wurde. Feinfühliger mit meinem Umfeld, mit meinen Mitmenschen, mit allen Situationen, mit mir selber!

Es war nicht leicht, aus allem was mir Schlechtes passierte, etwas Gutes abzugewinnen.

Doch wisst ihr, wenn man durch die Bank so viel Schlechtes erfährt, dann war es zumindest bei mir immer so, dass ich immer wissen wollte wie sich das Gute anfühlt!

So war mein „Überlebenskampfmodus“ auf ON und fing langsam an, Schritt für Schritt, nach und nach mich zu hinterfragen, WAS will ich wirklich? Hat es auf Anhieb nicht geklappt, dann ließ ich mich nicht unterkriegen und suchte nach einer neuen Alternative. Denn ein Satz begleitete mich ein Leben lang:

„Claudia, wenn etwas nicht gut klappt, du es immer wieder versuchst, dann verzweifle nicht, denn so ist diese eine Sache, oder dieser eine Mensch NICHT für dich bestimmt! Alles was für dich bestimmt ist fühlt sich leicht und gut an!“

Und so war es immer! Wenn etwas nicht klappte, dann habe ich es vielleicht noch ein, zweimal versucht. Wenn es dann immer noch erfolglos war, ließ ich es gut sein und widmete mich einer neuen Alternative.

Doch die Ängste was meiner Multiple Sklerose angehen, waren anders. Sie waren irgendwie nicht greifbar. Ich wusste einfach WAS die Krankheit mit mir anstellen würde, konnte mich nur schwer darauf einstellen, da beide Schübe anders waren, kein Schub glich dem anderen. Doch da ich mein Körper relativ gut kannte, konnte ich mich von der Seite herantasten und fing mit der ersten Frage an: Was tut mir gut? Worauf reagiert meine Multiple Sklerose „zickig“?

Genauso handhabe ich es mit allem im Leben! Alles was sich nicht leicht und fluffig anfühlt, ist doof, also eher anstrengend und anstrengend ist auch doof! Manche sagen mir dann: „Claudia, aber das Leben ist kein Wunschkonzert oder Ponnyhof!“ und ich darauf: „Doch genau das ist es!

Auch ich musste lernen, dass sich Mut und Freundlichkeit, Freundlichkeit vor allem mir gegenüber, auszahlt!

Also gebe ich euch mit auf dem Weg: „Es ist ok, wenn du Angst hast! Es ist ok, wenn du dich gebrochen fühlst! Es ist ok, dass du verzweifelst bist, wenn alles mal Scheisse ist! Aber versuche für dich selber in genau diesen schwierigen Phasen, herauszufinden was dein Herz zu dir sagt. Wenn es etwas gibt, einen ersten Impuls, wie z.B. du willst unbedingt auf einem kleinen Berg um für dich einmal kurz Ein- und Ausatmen, dann frage dich WIE du schnell auf einem Berg kommst. Wenn du ein Auto hast, dann umso besser, wenn nicht, dann überlege welcher kleine Hügel in deiner Umgebung für dich schnell erreichbar ist!“

Und genauso machst du in jeder Situation weiter, so wirst du mit der Zeit herausfinden was dir gut tut, was deine Seele zum heilen braucht. Du lernst mit der Zeit schnell alternativen zu finden egal in welche Lebenssituation.

Also sei Mutig!

Traue dich!

Sei freundlich zu dir selber, so wirst du sehen, dass du auch in der miesesten Situation ein Lächeln übrighaben wirst, für dich, aber auch für deinen Mitmenschen, denn Angst ist nichts Schlimmes, nur ein Werkzeug was du brauchst, um zu lernen auf dein Herz zu hören!