Claudia Grimm: Hallo meine Lieben. Es ist wieder so weit nach der langen Sommerpause geht es wieder los mit dem Podcasting und ich habe heute eine wundervolle Frau bei mir und ich freue mich so sehr heute mit ihr das Interview, Gespräch zu führen. Ich habe heute die Eva Maria Fitze bei mir, Hallo liebe Frau Eva-Maria,

Eva-Maria Fitze: Hallo liebe Claudia, vielen vielen Dank für die Einladung für den Podcast. Hat mich total gefreut. Genau..

Claudia Grimm: Wir geht’s dir?

Eva-Maria Fitze: Du mir geht es sehr sehr gut. Ich habe alles wunderbar überstanden, auch beruflich. War jetzt eine harte Zeit und bin jetzt gewappnet auf das, was jetzt noch kommt.

Claudia Grimm: Super, dann erzähl uns doch mal bitte wer bist du Eva-Maria?

Eva-Maria Fitze: Genau. Also erst mal hallo und herzlich willkommen bei unserem Podcast bei dem Interview mit mir heute. Ich finde Eva-Maria Fitze, ich bin ehemalige Leistungssportlerin im Bereich Eiskunstlauf. Und ja, ich arbeite seit 2006 ganz leidenschaftlich als Personal Trainer und als Live Coach. Seit 2006 bin ich auch in der Hotel bzw. Veranstaltungs- und Fitness Branche tätig und momentan arbeite ich aber ich mit Babys. Denen bringe ich das Schwimmen bei. Und im Reha-Training arbeite ich im Sporttherapeutischen Bereich. Also das ist momentan der aktuelle Stand. Aufgrund von Corona, habe ich die Entscheidung getroffen, mehr in den therapeutischen Bereich zu gehen. Und das ist auch aufgrund meiner, ja aufgrund meines Lebens, sagen wir es mal so aufgrund meiner Lebensphase, ja ist mir der Bereich auch ganz wichtig.

Claudia Grimm: Schön, aber das hört sich großartig an. Ich hoffe, die Babys machen sich richtig gut.

Eva-Maria Fitze: Ja, das ist ein ein so ein Geschenk, Claudia, das kann ich dir und euch gar nicht so in Worte fassen, dass man wirklich einfach so kleine Wesen reagieren sieht, ohne dass man, ja ohne, dass man auch weiß, dass sie manipuliert sind. Das ist so, so pur, so toll.

Claudia Grimm: Jetzt die Frage: Ab welchen Moment wusstest du denn, dass du in Leistungssport gehen möchtest, dass du Eiskunstläuferin werden möchtest?

Eva-Maria Fitze: Das ist eine total interessante Frage und ich muss ehrlich sagen, ich habe das gar nicht so bewusst gemerkt. Ich war fasziniert von den Kostümen, von dem Tanz, von dieser Leichtigkeit und ja, und auch von dieser Sportlichkeit, wobei ich als Kind diese Sportlichkeit ja schon immer hatte, weil ich durch meine Eltern da auch sehr geprägt wurde, Gott sei Dank. Ähm, ja, aber dieses, dieses Glitzernde und dieses Schicke und Tänzerische, das hat mich einfach fasziniert und das wollte ich einfach auch machen. Und so ist mein Talent wohl anscheinend relativ schnell entdeckt worden. Und dann ging alles relativ zügig.

Claudia Grimm: Okay, hört sich, hört sich interessant und vor allem das an deine Eltern, ja, die sage ich jetzt mal die Sportlichkeit mitbekommen hast und dass du relativ früh gemerkt hast, in welche Richtung es gehen wird. Wie nahm den genau deine Karriere, seinen Lauf.

Eva-Maria Fitze: Also ich muss ganz kurz nochmal zurückspringen. Da ich momentan sehr viel im therapeutischen Bereich auch arbeite, bin ich meinen Eltern so dankbar, dass ich ja auch vom Baby auf von klein auf, bewegen gelernt habe und auch viel sportlich unterwegs war, ich habe Tennis gespielt, bin geschwommen, ich bin Ski gefahren und dann zum Schluss bin ich gerne Eis gelaufen, weil es am nächsten war, aber ja, diese diese Sportlichkeit, die mir meine Eltern mein Leben lang beigebracht haben, die bringen mir jetzt so so viel gesundheitlich und auch beruflich mit, genau da wollte ich noch mal kurz eingreifen, Claudia.

Claudia Grimm: Schön, schön ist es echt toll, weil nicht viele haben ja von klein auf eben sag ich jetzt mal die Eltern an die Seite, die ihnen zeigen, wie eigentlich Körper Geist zusammen miteinander funktionieren und…

Eva-Maria Fitze: Und heute ich ich sehe das ja heute, wenn ich im Reha Training therapeutisch arbeite, ja, dass viele doch erst spät mit dem Fitnesstraining im Craften, im Reha Training, dann, wenn das Kind vermeintlich schon in den Brunnen gefallen ist, anfangen zu arbeiten, dann ist es sehr sehr schwer und sehr sehr mühsam. Und für die Leute, die ein Reha-Training verschrieben bekommen sehr sehr depressiv, ja, dass das das deprimiert die, dass das nicht so schnell voran geht, aber schon von dem Ablauf. Es ist einfach logisch, wenn man einfach erst spät anfängt, sich so zu bewegen, dann ist es dann, wenn was passiert, wenn was verletzungsbedingt dazwischenkommt, schwierig, das wieder zu erneuern.

Claudia Grimm: Ja, das da gebe ich dir recht, weil ich bin auch eine, die spät angefangen hat und mit den Knien hat es angefangen, dann ging es grad so weiter. Wie hat es bei dir denn genau angefangen? Wie, wie hat die Eiskunstlaufkarriere bei dir angefangen?

Eva-Maria Fitze: Ähm, ja, eigentlich schon sehr früh. Also ich war schon mit 9, 10 Jahren war ich schon in einer Leistungsstufe, wo man eigentlich erst mit 14, 15, 16 ist und als ich 14 war, war ich dann schon eigentlich international auf dem Niveau, wo man eigentlich erst mit 18, 19, 20 ist. Also begonnen hat das eigentlich schon mit 10 Jahren, dass ich so langsam öfters mal Titel gewonnen habe und auch nationale Titel, dann irgendwann wurden es internationale Titel und mit 14 kam dann der große Durchbruch, wo ich dann das erste Mal deutsche Meisterin geworden bin, auf Europa- und Weltmeisterschaften mitfahren durfte, da beide Male unter die ersten zehn gekommen bin, das war schon da, wo ich gemerkt habe Oh! das schaut ja gut aus, so kann’s weitergehen. Das hat sich für mich in erster Linie bestätigt und gut angefühlt. Nur das Problem, mit dem zu schnellen und zu großen Erfolg war, da natürlich, dem gerecht zu werden und dann danach?

Claudia Grimm: Okay, ja, da wäre jetzt schon mal meine nächste Frage, nämlich: was war denn deine allergrößte Herausforderung für dich? Wo du für dich empfunden hast, jetzt, jetzt muss ich kurz die Handbremse anziehen, weil, irgendwie geht es nicht weiter.

Eva-Maria Fitze: Ja, also das war genau, ähm, eigentlich dann ein Jahr, na ein Jahr nach dem großen Erfolg. Dann habe ich gemerkt, ja, irgendwie verrenne ich mich da gerade in irgendwas, ich kann dem ganzen Druck nicht standhalten, ich kann den Erwartungen nicht entsprechen, irgendwie ist alles zu viel und ich meine, man darf nicht vergessen, ich war damals 14 und mein ganzes privates Leben, meine körperlichen Veränderungen, meine Gefühle, meine Wahrnehmungen, das war alles, ja, das war alles uninteressant. Die Leute wollten Leistungen sehen, die wollten, natürlich wollte ich das auch, weitere Titel sehen und ja, das ist halt leider nicht passiert, dadurch bin ich krank geworden, weil die Außenwelt und ich mich unter Druck gesetzt habe und dann war erst mal Schluss, für eine Zeit, also das war die allergrößte Herausforderung in meinem Leben, genau diese Phase zwischen Pubertät und Erwachsenwerden und ähm, ja, nicht richtig verstanden werden, die Leute sind mit mir umgegangen eigentlich wie schon ein Erwachsener, aber auf der anderen Seite hat man mich belächelt wie ein kleines Kind, also das war so ein Zwiespalt und das war nicht so schön, ja, und da habe ich wirklich lange, lange, lange durch viele Täler gehen müssen.

Claudia Grimm: Okay, wie wurdest du denn in diese tiefen Phase von ja in deiner Karriere wahrgenommen von außen? Und vor allem wie bist du damit umgegangen? Wie hast du das für dich selber innerlich wahrgenommen, dass du so so von der Außenwelt betrachtet wurdest? Wie hast du das wahrgenommen?

Eva-Maria Fitze: Ja, ich habe so das Gefühl, wenn ich mich an den Moment zurück erinnere, dass ich nicht wirklich ernst genommen wurde. Und das tut mir sehr, sehr weh, weil ja ich doch sehr jung war und wirklich wahnsinniges geleistet habe und das finde ich so rückblickend sehr schade, dass diese nicht alle, aber viele Menschen um mich herum das gar nicht so richtig registriert haben, was ich eigentlich in diesen jungen Jahren geleistet habe und ich habe auch sehr, sehr viel Gegenwind bekommen und sehr, sehr viel Missgunst bekommen, was ich bis heute nicht verstehe, das sind im eigenen Land, das sollte man doch wirklich stolz sein, so jemanden zu haben, der für das eigene Land da erfolgreich ist, anstatt da noch diesen jungen Sportler, der gerade am Wachsen ist, da noch drauf zu hauen. Also das spür ich rückblickend noch ganz stark, dass da diese Missgunst, Eifersucht von verschiedenen Leuten, Vorsitzenden, was weiß ich Verbandsvorständen, da hatte ja jeder irgendeine Meinung und da habe ich das Gefühl, dass da nicht wirklich jeder ein Fan von mir war. Und es gab aber keinen in der Zeit, der das geleistet hat, was ich geleistet habe, dann auch im Training, später, nachdem ich die Auszeit hatte und nachdem ich wieder angefangen habe, krank wohlgemerkt zu trainieren und weiter zu kommen. Also da hatte ich das Gefühl, dass ich für viele im Verband auch einfach da wirklich ein Dorn im Auge war. Das wollte man nicht so wirklich sehen und mich da dann so ein bisschen ja unterdrücken, will ich nicht sagen, aber, mit einem kranken Sportler zu irgendwelchen internationalen Wettkämpfen zu fahren und dann den Verband zu vertreten, das war, glaube ich, vielen Leuten im Verband nicht ganz so Recht, das wollte ich eigentlich damit sagen, aber es gab auch natürlich viele Leute, die mich unterstützt haben. Viele Vereinskollegen, viele SportlerInnen, auch viele Trainer, auch Leute vom Verband, also das war, war, so und so, es gab sowohl die einen als auch die anderen und meine Eltern standen sowieso immer hinter mir, die haben mich immer unterstützt und immer geholfen und auch immer zu mir gesagt, wenn ich kein Leistungssport mehr machen möchte, kann ich jederzeit aufhören, also da war ich vogelfrei.

Claudia Grimm: Das ist schön, das ich schön. Liebe Eva-Maria du hattest doch bestimmt den einen Moment in deiner tiefen Phase, wo du dann krank wurdest, wo du innerlich gespürt hast, irgendwie ist da noch nicht alles getan, es ist noch nicht vorbei, ich will noch mehr. Wie hat sich das geäußert? Hast du das innerlich gemerkt? War das irgendwie so – nachts – konntest du nicht mehr schlafen, morgens wieder aufgewacht bist, wolltest du wieder aufs Eis? Wie hat sich das geäußert, wann hast du das gespürt?

Eva-Maria Fitze: Ich habe eigentlich das die ganze Zeit gespürt und ich habe das die ganze Zeit in mir gehabt, ähm ich konnte einfach von dem Sport nicht loslassen. Also das war so ein Loslassen. Es war mein Ein und Alles. Ich habe seit dem achten Lebensjahr so viele Stunden, so viel Blut in den Schlittschuhen geopfert, dass ich das einfach nicht alles so abgeben wollte und für mich war immer das wichtigste Ziel, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Dieses Ziel habe ich mir von Anfang an gesteckt. Und ja, und da wollte ich so lange alles dafür geben, bis ich dieses Ziel erreicht habe. Das war so dieser ausschlaggebende Punkt, wo ich gesagt habe, dann nach diesen tiefen Tälern oder auch in diesen tiefen Tälern komm, es wird alles gut und glaub an dich, verfolge dein Ziel und höre niemals auf. An, an, an, an dich zu glauben. Das war so immer mein Fokus.

Claudia Grimm: Bevor wir jetzt weitermachen und mit der nächsten Frage, habe ich eine Frage noch an die hier Eva-Maria, damit auch die Zuhörer da draußen vielleicht ein Gefühl dafür bekommen, wie deine Laufbahn verlaufen ist. Wie oder an was bist du genau erkrankt? Was ist mit dir geschehen?

Eva-Maria Fitze: Genau. Also die Zeit, was ich vorher schon als größte Herausforderung geschildert habe, das war genau die Zeit, wo ich an einer Essstörung erkrankt bin und zwar eine Mischung aus Bulimia Nervosa und Anorexia Nervosa. Das hat sich immer ein bisschen abgewechselt und das ging dann ja so nach diesem Erfolg, in dieser Phase ging es los. Fast, fast über 20 Jahre.

Claudia Grimm: Eine lange Zeit.

Eva-Maria Fitze: Ja das ist eine ganz, ganz lange Zeit und bin aber heute kann ich sagen, ich bin dankbar, zufrieden und froh, dass es alles so gerade ist, wie es ist, aber dazu komme ich ja nachher noch mal, auf der anderen Seite macht es mich natürlich auch sehr, sehr traurig, das, was ich vorher geschildert habe, dass es einfach so viel Gegenwind auch gab, wo ich mir dann einfach auch mal denke Mensch, Leute, das kann doch nicht sein, da ist jemand, der hat Talent, warum supported ihr den nicht? Ihr könnt ja die anderen auch supporten, aber warum müsst ihr dann auf diese Person teilweise auch einhacken? Das verstehe ich nicht. Das ist ja heutzutage im Geschäftsleben nicht anders, aber es das sind so, so Sachen, die ich einfach nicht verstehe, wenn jemand in einem eigenen Verband ist, dann sollte man doch seinen eigenen Läufer von oben auch unterstützen und nicht sich selber dadurch hervorheben und das, das sind so Sachen im Nachhinein, die ich gespürt habe und die ganz eindeutig auch so waren und das macht mich jetzt sehr traurig, weil genau deswegen bin ich im Unterbewusstsein auch krank geworden, weil ich es gemerkt habe, aber erst jetzt verstanden habe. Also so ganz interessante Mechanismen, was so psychosomatische Erkrankungen eigentlich sagen wollen. Und wie gesagt, ich wäre jetzt nicht da, wo wo ich bin, wenn ich mich damit nicht auseinandergesetzt hätte.

Claudia Grimm: Das heißt, es hat dir auch ein bisschen durch deine tiefe Phase hinweg geholfen, durch die durch die Krankheitsphase, das du zu dir gesagt hast, jetzt zeig ich’s mir du hast auch mal so gesag, die Olympischen Spiele war ein sehr großes Ziel für dich und aber auch den anderen, die nicht an mich geglaubt haben. Und wie hattest du denn, das Comeback?

Eva-Maria Fitze: Ja, das stimmt schon. Das stimmt schon. Also ich hatte tatsächlich das Comeback mit Paarlauf, also ich bin dann doch nach dem großen Erfolg mit Europa- und Weltmeisterschaftszehnte und so weiter und so fort bin ich ja mehr oder weniger als Einzelsportlerin da so rum rumgeeiert. Also das war ein ganzes und nix halbes. Ich hatte dann zwar kurzfristig ’99 wieder ein Hoch, aber das ging dann ganz schnell wieder runter und mein Comeback konnte ich aber dann feiern, wo ich zum Paarlauf gewechselt bin. Das war für mich ein wieder ankommen, ein wieder Gesehenwerden, ein akzeptiert werden, ein auch ernst genommen werden und ähm ja, da bin ich, bin ich heute noch total dankbar und ich denk an die Zeit in Chemnitz so gern zurück, weil ich da einfach das Gefühl hatte, dort auch vom sächsischen Eislaufverband aufgefangen zu werden.

Claudia Grimm: Jetzt würde mich und ich denke, auch die Zuhörer da draußen interessieren. Hast du das Ziel von den Olympischen Spielen erreichen können?

Eva-Maria Fitze: 2006 war es dann endlich so weit, dass wir das Ticket in der Hand hatten mein Partner, der Rico Rex und ich, dass wir zu den Olympischen Spielen fahren durften. Das war für mich, das Allergrößte und das Allerhöchste, das endlich erreicht zu haben, weil, ja wie gesagt, auch da in dieser Phase klar bin ich mir sicher, dass da da gab es natürlich auch Leute, die sich bestimmt gegen uns als Paar da ausgesprochen haben, aber ich bin da so gut abgeschirmt gewesen damals, das war heute, würde man sagen, wie in so einer Bubble, ich habe da von der Außenwelt und von denen, die mir Steine in den Weg legen wollten oder das auch gemacht haben, habe ich ehrlich gesagt gar nichts mitbekommen. In der Zeit, wo ich in München war, schon eher. Also da hatte ich schon eher, dass ich gegen eine Mauer gelaufen bin. Aber das liegt ja auf der Hand, sonst wär ich ja nicht gewechselt und sonst wäre ja da auch wieder ein Erfolg eingetreten, wenn es da nicht so eine Veränderung gegeben hätte.

Claudia Grimm: Okay, das hört sich, hört sich, ahh ich habe Gänsehaut, hört sich richtig, richtig cool an, irgendwie diese Highlights und diese Momente. Wie war, wie war das Gefühl für dich zu wissen, dass du nicht nur ein großes Ziel erreicht hast, sondern vor allem den Glauben an dich nicht verloren hast und diese Herausforderungen gemeistert hast? Wie war für dich dieses Gefühl?

Eva-Maria Fitze: Ich hatte immer das Gefühl, von Anfang an authentisch zu bleiben. Immer das Gefühl des war eigentlich eher für mich so das Ziel, dass ich immer authentisch bleibe und auch immer das sage, was ich denke, auch wenn mir jemand was anderes in den Mund legen will, bleibe ich trotzdem immer bei mir, meiner Meinung und meinem Gefühl treu, ähm, das war eigentlich so, dass das das wichtigste Vorhaben von mir selber und was mir auch ja in die ich würde nicht sagen in die Wiege gelegt wurde, aber ich glaube schon, dass ich so auch erzogen wurde. Ja, also in meiner Familie da war immer, ähm, ja, dieses Offene, Ehrliche und auch dieses Miteinander wichtig, also vor allem im Sportlichen, war ja mein Papa immer viel dabei, der hat mich da immer kameradschaftlich geprägt, also den Sport, ähm, den Ge… ich sag es mal als Gegner, mich als Feind zu sehen, sondern als Kamerad, als Freund und das das ja auch so war ich aber im Einzellauf Eiskunstlauf Damen oftmal die einzige die so gedacht hat, deswegen war der Wechsel zum Paarlauf eigentlich ganz schlau. Er hätte vielleicht auch eher passieren können, aber gut.

Claudia Grimm: Ja, du weißt ja alles zu seiner Zeit und du hast sie gebraucht. Würdest du, würdest du sagen, dass vor allem die Familie, die über diese diese schwere Zeit auch in gute Zeiten aus der Patsche geholfen hat?

Eva-Maria Fitze: Immer, also hätte ich meine Familie nicht als Stütze immer hinter mir gehabt, als als Rückenstärker und auch als Seelenstärker, dann wäre ich heute auch gar nicht mehr da, also ich hätte das ja, ich hätte das ja nie so weit auch jetzt so geschafft, mich persönlich zu entwickeln, also dass es schon auch schwierig gewesen für meine Eltern, ihr eigenes Kind so zerstörend zu erleben, aber sie haben mir alle Freiheit der Welt gelassen und bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich so geprägt und erzogen haben, dass ich heute das leben kann, was ich leben möchte.

Claudia Grimm: Wo wir jetzt schon bei der nächsten Frage wären liebe Eva-Maria, was machst du denn heute Schönes, was ich meine, du hast ja eine mega Karriere hinter dir, hast Tiefs, hast Hochs erlebt. Was machst du heute?

Eva-Maria Fitze: Das ist ja total süß, dass du das mega Karriere nennst, so würde ich, so würde ich das gar nicht mal betiteln, also eigentlich, hätte ich im Eiskunstlauf jetzt mal von der Karriere sprechen, vielleicht noch viel, viel mehr erreichen können, wäre, hätte, Fahrradkette. Ja, das ist immer so einfacher gesagt als getan, aber die Gesundheit, die ich ja damals nicht hatte, die hat mir schon sehr viel weggenommen und dafür habe ich wirklich versucht, das maximalste zu geben und schon sehr viel erreicht. Aber da hätte noch mehr draus werden können, aber insgesamt mein ganzes Leben auch, dass ich jetzt wieder so bin, wie ich bin, das, da gebe ich dir recht, Claudia, das ist dann schon so im Nachhinein betrachtet wirklich zusammenfassend auch die Genesung wirklich ein Meilenstein was ich für mich selber auch erreicht habe und was ich heute mache?! Ich helfe heute Menschen wieder gesund zu leben, gesund zu werden, sich wohl zu fühlen in ihrem eigenen Körper, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Und, ja, da arbeite ich sehr, sehr viel therapeutisch, aber ich mache auch was ganz was Schönes mit den ganz, ganz Kleinen, was ich am Anfang schon gesagt habe, was mich so bereichert. Das Babyschwimmen als Babyschwimmleiterin das das ist wirklich was ganz was Schönes, was auch sehr, sehr ergreifend ist. Ja, das macht mir sehr viel Spaß.

Claudia Grimm: Oh, wie toll! Ich würde gerne einmal dir über die Schulter schauen, weil ich glaube, die Babys, die sind so süß.

Eva-Maria Fitze: Das ist herrlich. Und vor allem diese Mimik und diese Gestik, wenn irgendwas ist, das ist unbezahlbar, das ist unbezahlbar.

Claudia Grimm: Toll, toll! Und kannst du von dir heute sagen, dass du die Ernährungsgeschichte, die Ernährungserkrankung so weit in den Griff hast oder würdest du sagen, du hast immer noch Probleme?

Eva-Maria Fitze: Das ist ja in der Tat auch medizinisch so dargelegt, dass es keine Heilung bei dieser Essstörung gibt. Bei anderen psychosomatischen Krankheiten gibt es das teilweise, aber die Bulimia Nervosa und auch die Anorexia Nervosa haben dies nicht betitelt. Deswegen kann ich entgegen gesetzt zu dem, was in der Medizinbüchern steht, ja nicht sagen “Ich bin gesund, auch wenn ich es bin”, Physiologisch, anatomisch, gefühlt und so weiter, auch psychisch, aber ich kann sagen, dass ich zufrieden, glücklich und äußerst gerne im Leben stehe. Also das habe ich selten so konstant behauptet, dass ich jeden Tag wirklich sagen konnte, was heute ist der schönste Tag in meinem Leben und morgen stehe ich auf und sag das Gleiche nochmal, also das hatte ich wirklich selten, dass das hintereinander so erfolgt, aber wie gesagt, es war auch harte Arbeit, mich da von vielen Lastern der Essstörung zu trennen und ja, ich habe es geschafft. Für mich, für mich, gesund und, ja, geheilt von der Krankheit zu leben, so ist es für mich auch, wenn es medizinisch und sogar dargestellt werden kann, aber so ist es für mich. Ich habe seit 2013 keine bulemischen Symptome mehr und kann alles essen, was ich will. Natürlich mit verschiedenen Abständen, es ist natürlich so, dass ich jetzt nicht drei Mahlzeiten am Tag essen kann und so spezifische Sachen, das sind einfach Sachen, die mag ich nicht, aber es gibt jetzt nicht Sachen, wo ich sag, nein, das traue ich mich nicht zu essen und so weiter und so fort weil bei Essstörungen ist es so, dass oft man eine Rote Liste hat und sich verbietet, vieles zu essen. Oder man hat nur zwei Sachen auf der Liste, die man essen darf, also das sind so Regeln, die man sich selber macht und an die man sich halten muss, tut man das nicht, bestraft man sich selber. Und das habe ich ja jahrelang gelebt und erlebt. Und das alles habe ich nicht. Ich liebe das Leben und umarme es jeden Tag neu und bin dankbar für das, was ich erreicht habe. Und wenn du von Erfolg sprichst, dann nehme ich komplett das Ganze, also die Essstörung, auch mit, nicht nur das, was ich im Leistungssport geschafft habe das ist für mich eher so ein Teil, ähm, ja, aber das Ganze, das ich gesund und ohne Essstörung leben darf und kann, das ist für mich das allergrößte Geschenk.

Claudia Grimm: Würdest du sagen, dass. Geist, Körper, Seele zusammengehören? Das vor allem bei so einer Erkrankung, also nur kurz am Rande, weil viele wissens bei mir auch nicht, ich hatte eben auch Bulimie und bei mir weiß ich, dass ist seelisch, immer, wenn es mir nicht gut geht, dann ist halt so. Würdest du sagen, dass man sich selber auch im Weg steht?

Eva-Maria Fitze: Das ist jetzt ein ganz guter Aspekt, Claudia! Ja, auf jeden Fall, also ist es so, gerade bei diesen psychosomatischen Krankheiten, da steht entweder der Körper neben dir oder die Seele neben dir. Aber es ist nicht so, dass du zentriert bist, es ist immer irgendwas stets versetzt und wenn du versetzt stehst, dann kommen diese Konflikte. Und das habe ich selber gelernt und mir angeeignet, ähm, ja, dass das Körper, Geist und Seele sich zentrieren und übereinander stehen, ganz egal, wie man das macht, es gibt Arten der Meditationen, Yoga, Qigong oder einfach ein schönes Buch lesen, also es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich wieder zu zentrieren, sich wieder zu erden, wieder zurück in die Basis zu kommen, da braucht man einfach nur mal in sich reinhören und sagen, was mag, was will ich eigentlich? Weil diese ganzen Irritationen, wenn ich die verschiedenen Sachen neben einen stehen, kommen ja meistens von außen, dass man entweder irritiert wird oder es fällt ein dummer Spruch oder es hupt dich jemand an und du weißt, es ist mir auch schon passiert, wo ich mir denke, was ist jetzt los, ja, das sind echt Kleinigkeiten, die einen massiv aus der Bahn werfen kann und es ist ganz häufig bei Leuten so, die hypersensibel sind, die auch sehr viele feinstoffliche Dinge wahrnehmen, die viele erst gar nicht registrieren oder aufnehmen, also das geht an bei vielen völlig vorbei, wo der andere das schon wahrgenommen hat und schon eine Blockade in der Seele hat, also dass das ja, das kann ich super gut nachvollziehen und das ist auch ja, das Baby Steps bei Baby Steps zu erlernen, sich einfach mit sich selber auseinander setzen zu wollen und sich selber lieben zu lernen. Das war ein ganz, ganz langer und harter Prozess bei mir.

Claudia Grimm: Was würdest du? Den Zuhörern da draußen gerne mitgeben wollen mit auf den Weg geben wollen, allgemein jetzt, egal um was es sich handelt und was würdest du aus tiefstem Herzen den Zuhörern gerne da draußen mit auf den Weg geben?

Eva-Maria Fitze: Ja, habt euch lieb, so wie ihr seid und schätzt euch mit euern Ecken und Kanten, das ist das Allerwichtigste und auch mal Mut zur Lücke haben. Es muss nicht immer alles perfekt sein in unserer Welt. Gerade jetzt, ja, wo ja viel da propagiert wird mit mit Selbstliebe und und Selbsterneuerung und Selbstoptimierung und so weiter und so fort, es geht immer mehr von der Ernährung, auch mehr als gesunde, gesündere, man achtet mehr auf sich selbst und so weiter und so fort, aber die wichtigste Message bei den ganzen ist nicht diesem Hyper-Gesundheitshype zu folgen, sondern einfach mal auch bei sich zu bleiben und in sich zu hören und zu zu hören, auch was will ich eigentlich? Was sind meine Ziele und was sind eigentlich andere Ziele? Welche Ziele sind Dogmatisiert und nach welchen Zielen laufe ich jetzt schon seit Jahren? Macht es und weiß eigentlich gar nicht warum. Also dass das sind so Fragen, die ich mir dann auch immer oft gestellt habe und das ist einfach eine Message, die ich auch geben will, dass man sich einfach mal mit den schönen Dingen des Lebens auseinandersetzt, weil man hat nur dieses eine. Und da hat mir der die drei Wörter haben mir da immer sehr viel Kraft geschöpft Glaube, Liebe, Hoffnung, das ist so mein Lebensmotto und das hat mich bisher immer gestärkt und auch immer durch meine ganzen Täler und Tiefs gebracht.

Claudia Grimm: So schön, ja. Toll.

Claudia Grimm: Liebe Eva-Maria, ich danke dir von ganzem Herzen für dieses Gespräch. Es war so schön! Euch da draußen hoffe ich, dass es euch mindestens genauso viel Spaß gemacht hat beim Zuhören wie bei uns mit dem mit dem Interview und vielen vielen Dank, dass du dabei warst, liebe Eva-Maria.

Eva-Maria Fitze: Liebe Claudia, ich danke auch dir und ich danke auch euch fürs Zuhören, ich hoffe auch euch hat es gefallen und ja, ich hoffe, ihr wollt bald auch mal mehr..

Claudia Grimm: …und natürlich, wenn ihr noch mehr von Eva-Maria wissen wollt erfahren wollt dann Eva-Maria, wo findet man dich?

Eva-Maria Fitze: Also wenn ihr mehr von mir wissen wollt, findet ihr mich unter www.evamaria-fitze.de.

Claudia Grimm: Toll, also…

Eva-Maria Fitze: …aber natürlich auch bei der lieben Claudia viralegedankenkraft.com

Claudia Grimm: Genau. Und vielen Dank Eva-Maria, es war mir eine große Ehre und ich glaube,…

Eva-Maria Fitze: …mir auch es war total schön und ja, ich freue mich auf unser nächstes Interview und hoffentlich treffen wir uns dann mal in Freiburg oder München.

Claudia Grimm: Ja, das wäre schön…

Eva-Maria Fitze: …oder Rosenheim,

Claudia Grimm: oder Rosenheim, also und ihr da draußen freue mich, wenn ihr bei der nächsten Podcastfolge wieder einschaltet und habt noch einen tollen Tag bis zum nächsten Mal.

Claudia Grimm: Ciao

Eva-Maria Fitze: Ciao.